Samstag, 11. Januar 2014

Leben | Von Daheim-Burnout und Baby-Pubertät


Morgens um 4:40 (also gut: sehr früh morgens) im Hunsrück: Die Straßen sind still und verlassen, alle Menschen liegen in tiefem Schlaf. Alle? Nein, nicht alle. Ein kleines Mädchen steht in ihrem Gitterbett und ruft wie eine hängengebliebene Schallplatte: Mama, Mama, Mama… . Dieses kleine Mädchen ist meine Tochter.
Ich kämpfe mich aus dem Tiefschlaf (warum habe ich es auch wieder nicht vor halb eins ins Bett geschafft?!?), schlurfe ins Zimmer meiner Tochter und nehme sie mit ins Elternbett. Doch leider ist mein kleines Mädchen so gar nicht mehr müde. Erst spielen wir mehrere Runden Steh-Auf-Mädchen: ich drücke, ähhh lege sie sanft neben mich, sie steht eine Sekunde später wieder im Bett und ruft Audehn, Audehn (zu deutsch: Aufstehen, Aufstehen). 
Irgendwann habe ich sie immerhin so weit, dass sie neben mir liegen bleibt, auch wenn ich dafür  in Kauf nehmen muss, dass sie versucht mir ihre Finger in die Nase zu stecken, zwischen die Zähne zu rammen oder testet, ob sich meine  Wimpern nicht ausreißen lassen. So gegen viertel vor sechs scheint sich endlich eingeschlafen zu sein und auch ich dämmere langsam weg…da reißt mich der Wecker bzw. das Handy meines Mannes wieder aus dem Schlaf. Ich trete meinem Mann unsanft in die Seite und fordere ihn zischend auf, den Handywecker endlich auszuschalten. Leider findet mein Mann sein Handy nicht. Während das Klingeln langsam lauter und lauter wird, wühlt er zwischen Matratze und Betthaupt, zieht hektisch die Bettkästen auf, um mir schließlich zuzuflüstern: Ich finde es nicht, muss Licht anmachen.
Flüstern ist mittlerweile nicht mehr nötig, denn unsere Tochter steht schon wieder im Bett: “ Audehn, Audehn“. Mein Mann verzieht sich ins Bad und ich versuche mal wieder das liebe Töchterlein zum Hinlegen zu bewegen. Diesmal gelingt es mir sogar recht schnell und wir liegen einträchtig nebeneinander, als sich die Schlafzimmertür wieder öffnet und mein Mann hereinkommt mit den Worten: „Sorry, ich muss noch mal Licht anmachen.“  Ich bin mittlerweile kurz vorm Platzen. Während mein Mann vorm Schrank steht und überlegt, ob er heute lieber ein blaues oder ein weißes Hemd, oder vielleicht doch den Strickpullover anziehen soll, plane ich schon in Gedanken unsere Scheidung.
“Ist dir eigentlich klar, dass ich seit viertel vor fünf wach bin?“  fauche ich ihn an.
„Ja, meinst du, ich hätte noch geschlafen, seitdem die Kleine bei uns im Bett liegt?“ faucht er zurück.
Ach, das ist mir ja ganz neu, denke ich wutentbrannt, mein Mann schnarcht mittlerweile auch im Wachzustand!
Während unserer kleinen Auseinandersetzung hat unsere Tochter meine Brille entdeckt und versucht einen Bügel abzureißen. Ich entwende ihr die Brille unter Aufbietung all meiner Kräfte – ja, kleine Mädchen können ganz schön stark sein – und versuche ein letztes Mal sie zum Schlafen zu bewegen.
Erfolglos, der Spruch „Es ist mitten in der Nacht, du musst jetzt schlafen“ zieht logischerweise nicht mehr, da Papa ja auch nicht mehr schläft.
Also ab ins Bad. An Duschen ist gar nicht zu denken, da das übermüdete Kind ein Heulkonzert anstimmt, sobald ich meinen großen Zeh nur Richtung Dusche strecke. Heute daher nur Katzenwäsche, während meine Tochter sich an meinem Bein festklammert und mir ihre Rotze in die Kniekehle schmiert.  Ja, so ein Tag kann doch nur noch besser werden...
Ich erspare euch die Details, hier nur der Tag in groben Zügen: Mittagessen schmeckt heute nicht (obwohl die Kombi Kartoffeln und Zucchini sonst eigentlich immer geht) und wird mit beiden Händen von der Zunge gekratzt und auf den Boden geschleudert.
Als Mittagsschlaf reicht ein Power-Nap von einer halben Stunde. In der einen Sekunde zwischen volle Windel ausziehen und neue Windel anziehen wird auf den Wickeltisch gepinkelt.  Alleine spielen ist total doof, Mama muss immer dabei sein.
Meine To-Do-Liste für den Tag bleibt natürlich unangetastet.
Ich würde sagen, ein klassischer Fall von Daheim-Burnout bei Mama (Kombination aus geistiger Unterforderung und babytechnischer Überforderung) und Baby-Pubertät bei der Tochter. 

Was hilft gegen Daheim-Burnout?
  • Die beste Freundin anrufen und einfach mal jammern!
  • Das Kind packen und raus (ja, auch wenn man sich eigentlich nicht dazu aufraffen kann): Freunde besuchen, ins Cafe, shoppen, andere Mamas und Papas und ihre Kinder besuchen
  • Wer kann: das Kind abgeben und ab in die Badewanne, mit einem guten Buch ins Bett, einer tollen DVD auf die Couch, zur Massage, in die Sauna... 
Was hilft gegen Baby-Pubertät?
Ähhh...nichts?
Oder habt ihr Tipps? Dann immer her damit!
Wie der Tag zu Ende ging? Zumindest einen Punkt meiner To-Do-Liste konnte ich abhaken: Früh ins Bett! Um halb neun liege ich neben meiner Tochter auf der Not-Matratze im Kinderzimmer und versuche ihr zu erklären, dass wir jetzt schlafen und nicht Ham-Ham machen. 
Und bei euch so? Kennt ihr auch Daheim-Burnout-Tage und leidet euer Kind auch manchmal an Baby-Pubertät? Erzählt doch mal!


Macht's gut,

Kerstin M.

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